Neue Konzepte im Kurierwesen
Last Updated on Donnerstag, 27 Oktober 2011 10:33 Written by radlerhonk Donnerstag, 27 Oktober 2011 02:23
“Reifen summen auf dem harten Asphalt, Autofahrer hupen, ein Fußgänger schimpft. Zu diesem Dreiklang rauscht eine sonore Stimme aus dem Funkgerät des Kuriers …”
Zumindest der letzte Teil dieser Musik könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn: Der Funk ist auf dem Rückmarsch. War der Funk vor etwa 15 Jahren eine Revolution in der Fahrradkurierbranche, die es in Echtzeit erlaubte Touren zu vermitteln und anzunehmen, kündigt sich durch den Smartphonemarkt eine neue Revolution an.
Apps die auf Internetserver zugreifen, die genau die Daten vorhalten, die der Kurier braucht sind stark im Kommen. Theoretisch ist hier eine Vermittlungszentrale zwischen Kurier und Kunde gar nicht mehr vonnöten, da der Kunde seinen Wunsch eingibt und der Kurier diesen sofort sieht und diesen sofort bedienen kann.
Theoretisch, wie gesagt. Denn: Apps sind anfällig für Bugs, Server stürzen gerne mal ab oder sind aus sonstigen Gründen offline und vor allem: Menschen haben gerne mit Menschen zu tun.
Trotzdem wird sich sicher bei der Schnittstelle zwischen Kurier und Kunde in den nächsten Jahren einiges tun. Eben: Tourenvermittlung via Internet.
Zwei Beispiele, die auf eine starke Einbindung des Web 2.0 setzen, aus Hamburg habe ich mal im Folgenden aufgeführt:
tiramizoo : Ein Projekt im Betastadium. Kuriere können sich kostenlos registrieren. Die Gründer denken schon recht global und wollen laut Eigenaussage, den normalen Kurier für den Kunden im Internet auffindbar machen. 15 Prozent vom vermittelten Umsatz bekommt Tiramizoo, was ganz ok ist. Auch wenn das Projekt wirklich Potential hat, in Hamburg läuft das aber noch nicht wirklich. Mehr dazu …
Rhn Der Auftritt dieses Unternehmens ist ebenfalls recht frisch. Was auffällt: Eine Telefonnummer wird recht prominent dargestellt. Also setzt man darauf, dem Kunden – oder dem Kurier – auch “menschlich” zur Hilfe zu kommen. Das Unternehmen funktioniert denn auch nicht nur virtuell, sondern in einer Zentrale. Der Geschäftführer Sebastian Beyl ist eigentlich Webdienstleister, der vermutlich versucht, das Potential im Kurierbereich unter Zuhilfenahme der digitalen Medien auszuloten. Auch hier wird man sehen müssen, was dies dem Kurier letztendlich bringt.
Meine Resümee: Die Szene ist in Bewegung. Dass Webspezialisten versuchen auch in den Kurierbereich vorzudringen braucht nicht zu verwundern: Einfache Dienstleistungen lassen sich wie Verkäufe optimal über das Web abwickeln.
Dazu kommt, dass die Erfahrung von Webverantwortlichen im Bereich von SEO und SEM meist sehr groß ist. Damit sind gerade Privatkunden und Kleinunternehmer – für Kuriere zunehmend interessanter- viel besser erreichbar.
Natürlich fehlen Medien – und Webspezialisten auch bestimmte Kenntnisse und Erfahrungen im Kurierbereich. Aber das lässt sich alles nachholen – Was natürlich Zeit und Geld kostet.
Wer einen langen Atem hat, könnte allerdings ziemlichen Erfolg haben. Bis zu dem Punkt, wenn Google oder Amazon vor der Tür stehen und dabei sein wollen
Es gäbe ja auch noch den Zwischenschritt, die Aufträge in gewohnter Art telefonisch anzunehmen und dann per Smartphone zu vermitteln. Man könnte dort auch Aufträge “ausschreiben”. Wer dann zuerst klickt, bekommt den Auftrag. Der Vorteil ist hauptsächlich, dass der Kurier alle Infos wie Adresse, Ansprechpartner, Alter des Auftrags usw. direkt vorliegen hat und man sich die Rückfragerei spart.
Hallo David, Du hast schon recht: Die Einbindung eines Telefonvermittlers, der die Daten aufs Handy spielt, wird in Hamburg teilweise bei den konventionellen Kurieren – Inline oder Deku – auch schon praktiziert. Allerdings scheint mir das eine zeitliche Zwischenlösung zu sein. Die Idee hinter einer effizienten Logistik ist es ja auch, die Vermittlung fast in Echtzeit mit größtmöglicher Präzision stattfinden zu lassen.
Abgesehen davon, ist es aber irgendwie schade, wenn der irgendwann Funk wegfällt, da er halt auch einen gewissen Sozialraum herstellt.