Organisationsformen

Last Updated on Donnerstag, 17 Februar 2011 06:01 Written by Cyclehans Mittwoch, 16 Februar 2011 11:58

Subunternehmertum

Das Kurierwesen ist klassischerweise als Subunternehmertum aufgebaut: Eine Zentrale – mit Geschäftsführern und Gesellschaftern – kümmert sich um Acquise, Auftragsannahme und Vermittlung. Der einzelne Kurier ist Auftragsnehmer und führt entsprechende vorgegebene Aufträge aus.

Da der einzelne Kurier aber nicht angestellt ist, entfallen für die Zentrale lästige Sozialabgaben.

Dieses Modell hat gut funktioniert, als die Dienstleistung noch neu und ziemlich nachgefragt war. Es war dem durchschnittlichen Kurier möglich, viel Geld zu verdienen. Trotz hoher Abgaben an die Zentrale.

Dies hat sich in den letzten Jahren mit der zunehmenden Digitalisierung verändert:  Fotos, Dokumente, Daten können günstig über das Internet verschickt werden. Selbst der Gigabyte-Bereich wird irgendwann kein Problem mehr sein.

Ein Problem in diesem Kontext ist, dass der Kurier sich selten als echter Unternehmer wahrgenommen hat: Marketing, effiziente Unternehmensleitung, Acquise usw. sind ihm in aller Regel reichlich egal oder zumindest nicht so wichtig ( “ich hab meine 20 Touren im Sack, ich fahr nach Haus”).

Einerseits eine angenehme “Savoir vivre” Haltung, andererseits problematisch auf lange Sicht. Denn wer soll die neuen Kunden anwerben, wenn nicht der Kurier?  Meiner Erfahrung nach ist es sogar besonders der Fahrradkurier, der hier punkten kann. Wie oft habe ich es schon erlebt, dass z.B. ein Kunde sagte: ” Also ganz toll finde ich Eure spontane und schnelle Hilfe bei Umzügen.”

Dieses Potential wird so gut wie gar nicht genutzt. Natürlich hemmt die Existenzangst. Ein wackliges Dach über dem Kopf ist scheinbar immer noch besser, als bei Nieselregen rausgehen.

Dabei ist es eigentlich immer so, dass gerade in Krisen gar keine andere Möglichkeit besteht als rauszugehen.

Allerdings fehlt wie gesagt oft eine unternehmerische Grundhaltung bei den Kurieren. Zwar gibt es lose Netzwerke im Fun – und Eventbereich – Alleycat usw. – aber Netzwerke zum Erfahrungsaustausch, zur Ideenfindung, zur Planung neuer Projekte lassen sich kaum finden. Zu sehr ist das Einzelkämpfertum verbreitet, macht sogar einen großen Teil des Selbstbewußtseins der Kuriere aus.

Mögliche Organisationsformen:

GmbH( § 13 GmbHG ): Dieses Modell hat einen angestellten Geschäftsführer, der den Gesellschaftern – geben das Kapital -verantwortlich ist.
Die GmbH kann von juristischen oder natürlichen Personen gegründet werden. Es wird ein Gesellschaftervertrag – Satzung – geschlossen und notariell beurkundet.

Wenn die Gesellschafter transparent mit den Kurieren agieren (vielleicht selber Kuriere sind) ist dieses Modell für Kurierunternehmen geeignet. Allerdings sollten sich die Gesellschafter gut verstehen und klare Vorgaben machen.

Problematisch kann eine Vielzahl von Gesellschaftern sein. Die Prozesse zur Entscheidungsfindung können so dauern. Aber das kann auch positiv als langfristige Investition gesehen werden. Ebenso sieht es bei einer Vielzahl von angeschlossenen  Kurieren aus, die sich einbringen möchten und es auch sollen.

Ein Problem ist die sogenannte Scheinselbständigkeit: Kuriere müssen Anteile und wenigstens pro Forma Mitbestimmungrechte am Unternehmen haben. Sonst sind sie faktisch Angestellte. Eine Verlagerung dieser Mitbestimmungsrechte und Anteilspflichten über einen Verein, halte ich für falsch: Inline Hamburg zeigt wie ein solches Modell zu Undurchsichtigkeit und Vetternwirtschaft führt. Ganz abgesehen von einer nicht für jeden sympatischen Vereinsmeierei.

Meine Idee zur GmbH. Bei mittelgroßen bis großen Unternehmen (ab 20 angeschlossenen Kurieren) finden sich 3 bis 5 Gesellschafter, die sich aus etwa gleichgroßen Gruppen zusammensetzen. Diese Gruppen vereinen bestimmte Kompetenzen und Interessen – Marketing, Acquise usw. .  Regelmäßig findet ein Austausch der Gruppenmitglieder untereinander und in festgelegten Abständen auch unter den einzelnen Gruppen statt. Hierbei wird das komplette Aufgebot modernen Coachings genutzt – Projektmanagement, Gruppencoaching, Brainstorming, Mindmapping und,und,und.

Wichtig ist immer, dass Ziele definiert und abgefragt werden: Ist das so erreicht worden? Wenn nicht: Warum nicht? und Was ändern wir?

Die Anteilsfrage ist natürlich noch ungeklärt;-) Wieviel muss nun jeder angeschlossene Kurier bezahlen, damit er Teilgesellschafter in einer solchen Hauptgesellschaftergruppe werden kann?

Genau dies ist kein unwichtiger Punkt, kann aber nicht pauschal beantwortet werden und ergibt sich auch erst aus der minutiösen Aufstellung eines Businessplans: Wenn die Kosten für den ganzen Verwaltungsbetrieb durchgerechnet sind, kann man sagen, was tatsächlich vorhanden sein muss, um zumindest einen Nullsummenbetrieb sicherzustellen. Aber je mehr Kuriere sich zusammenschliessen, umso effizienter die Verwaltung und umso geringer die Kosten des Einzelnen.

Eine weitere sehr interessante Rechtsform mit einem großen demokratischen Potential ist die Genossenschaft. Dazu demnächst mehr …

Weitere Rechtsformen sind:

    Einzelunternehmen: Eingetragener Kaufmann / Eingetragene Kauffrau (e. K., e. Kfm. oder e. Kffr.)

    Nicht eingetragener Verein (§§ 21–54 BGB)

    Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) (§§ 705 ff. BGB)

    Offene Handelsgesellschaft (OHG) (§§ 105 ff. HGB), darunter auch OHG mbH, GmbH & Co. OHG und AG & Co. OHG

    Partnerschaftsgesellschaft (PartG) (§§ 1 ff. PartGG)

    Kommanditgesellschaft (KG) (§§ 161 ff. HGB), darunter auch GmbH & Co. KG, AG & Co. KG und Stiftung & Co. KG

    Juristische Person des Privatrechts:

    Eingetragener Verein (e. V.) (§§ 21, 55 BGB)

    Wirtschaftlicher Verein (§ 22 BGB)

    Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG) (§§ 15 ff., 18 VAG)

    Aktiengesellschaft (AG) (§ 1 Abs. 1 Satz 1 AktG)

    Eingetragene Genossenschaft (eG) (§ 17 Abs. 1 GenG)

wird fortgeführt ….

Grundsätzlich gilt: Nur wenn das Potential vieler Fahrradkuriere nutzbar wird, werden professionelle Unternehmen auch noch in 10 Jahren aktive Markteilnehmer sein. Oder um mal den Dirigenten Simon Rattle zu zitieren “Was wir heute brauchen sind kreative Köpfe. Die Zeit des puren Arbeitens ist vorbei.”

Nandi Tweets

 

Ratgeber Gesundheit

"Radfahren ist gesund" so schallt es immer wieder durch die Medien. Stimmt natürlich, aber vor allem professionelle Radfahrer haben Beanspruchungen, die zu erheblichen Beeinträchtigungen führen können.

Daher möchte ich mit meinem Bruder - der Arzt ist - einen kleinen Bereich schaffen, der der Vorbeugung und Linderung üblicher Zipperlein - Gelenküberlastung, Muskelkrämpfe ... - von Dauerradfahrern gewidmet ist.

Demnächst mehr hier im Blog.